© PD Geißler 2010
Collagen und Materialbilder haben eine lange Ahnenreihe, und die ältesten Beispiele, die wir kennen, gehören zu den raffiniertesten. Vermutlich im 12. Jahrhundert
sind die japanischen Kalligraphen dazu übergegangen, die ihnen anvertrauten Werke der Dichter auf Bögen zu schreiben, die mit zartfarbigen Papieren beklebt
waren. Die Kompositionen bestehen aus unregelmäßigen Flächenformen, die aneinandergefügt und mit Blumenmotiven winzigen Vögeln und Sternchen aus Gold–
und Silberpapier überstreut sind. Die gerissenen oder ausgeschnittenen Konturen sind mit dem Pinsel in Wellenlinien übertuscht, die Berge, Flüsse und Wolken
andeuten. Zu den berühmtesten Manuskripten dieser Art gehört das >Isehu< vom Beginn des 12. Jahrhunderts, eine Sammlung der aus je 31 Silben bestehenden
>Waka<-Verse der Dichterin Ise, die im 10. Jahrhundert lebte.
Quelle: Die Geschichte der Collage. Vom Kubismus bis zur Gegenwart. Herta Wescher
ISBN 3-7701-078-7
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